Gemäß der Philosophie des Kranhauses, sich möglichst an den akuten Bedürfnissen und Zahlungsmöglichkeiten der Bevölkerung auszurichten, stellt sich das Krankenhaus nach der erfolgten Gesundheitsreform um und wird sich in Zukunft zunehmend Patienten mit chronischen Erkrankungen zuwenden. Die Begründung dafür liegt darin, dass ein großer Anteil der Bevölkerung nicht im offiziellen Angestelltenverhältnis mit Zugang zur staatlichen Krankenversicherung lebt, sondern sich seine Lebensgrundlage auf individuelle Weise erwirtschaftet. Die privaten Krankenversicherungen erheben hohe Beiträge und schliessen die Behandlung chronischer Krankheiten aus. Ein Krankheitsfall oder ein Unfall, der eine qualifizierte Fachbehandlung erfordert, bedeutet daher den Ausfall der Verdienstmöglichkeiten und vielfach auch noch das Aufnehmen kostspieliger Kredite zur Kostendeckung der Behandlung und der dazugehörigen Medikamente. Folge dieser Situation ist häufig die Verschleppung von Krankheiten oder eine Beschränkung auf die symptomatische Behandlung von Beschwerden, ohne an den Kern der Erkrankung heranzugehen. Das Krankenhaus San Gabriel hat sich zur Aufgabe gestellt, diese Krankheiten, die nicht nur die Lebensqualität der Menschen vermindern sondern auch deren Arbeitskraft beeinträchtigen und damit das Einkommen der Familie schmälern, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. In diesem Zusammenhang ist auch die Einrichtung einer onkologischen Abteilung im Krankenhaus zu verstehen.

 

Vorgesehen ist ausserdem das Angehen des HIV/AIDS Syndroms. Dieser Bereich wurde bislang weitestgehend vernachlässigt.  Es gibt nirgendwo eine geeignete Ausbildung des Gesundheitspersonals, keine den sozialen und kulturellen Umständen angepasste Vorbeugungs- und Aufklärungsarbeit und keine rechtsgültigen und normativen Massnahmen. Da der HIV infizierte Träger schon vor Ausbruch der Krankheit das Virus überträgt, ist es absolut notwendig, die Infektion zu identifizieren, um der Ausbreitung vorzubeugen. In einem Land wie Bolivien mit niedrigem Lebensstandard bricht AIDS bei HIV + Menschen eher aus als in Ländern bei denen es eine bessere Ernährung und sanitäre Versorgung gibt. Das Gesundheitsministerium schätzt einen jährlichen Zuwachs von HIV infizierten von 35%,  gesteht aber auch seine äusserst beschränkten Möglichkeiten ein, dieses Problem anzugehen.